Schulgartenkonzept

Einen Schulgarten für die Grundschule Lathen – das war der Wunsch vieler Lehrer und Schüler unserer Grundschule. Doch wie könnte der Schulgarten aussehen? Welche Stellenwert sollte er im Schulalltag haben und wie könnte er für den Unterricht genutzt werden? Das waren die gängigsten Fragen, die am Anfang des Vorhabens „Ein Schulgarten für Lathen“ in Raum standen. Antworten dazu lassen sich in dem von uns entwickelten Konzept zur Anlegung und Nutzung des Gartens finden.

Ziele des Schulgartens der Grundschule Lathen

Ein Blick in unser Schulprogramm zeigt die Leitgedanken unserer Schule. Im Mittelpunkt der Arbeit unserer Schule stehen die Schülerinnen und Schüler selbst; ihrer optimale Förderung und Entwicklung ist das Ziel. Lebensgestaltung, eigenständiges Lernen, Verantwortungsbewusstsein und Berufsorientierung gelten als grundlegende Säulen des Schulprogramms. Für die Schule ist es wichtig, dass sich alle am Lernprozess Beteiligten wohlfühlen und sich zugleich zu Freundlichkeit, Aufgeschlossenheit, Gewaltlosigkeit und Verantwortlichkeit verpflichten, um einen lernfreundlichen Lebensraum zu schaffen. Die Schule möchte außerdem bei der Vermittlung und dem Erwerb notwendiger Basisqualifikationen, als Grundlage weiterführender Bildung, unterstützen. Zu den Leitmotiven aller Klassenstufen zählt somit die Vermittlung soliden Grundwissens, die Entwicklung der Persönlichkeit und des Sozialverhaltens, die Vermittlung von Teamfähigkeit und einer umfangreichen Methoden- und Sozialkompetenz, die Entwicklung der Ausbildungsfähigkeit und Berufsorientierung sowie die Vermittlung einer musisch-kulturellen Bildung.
Welchen Beitrag für die Anbahnung dieser Ziele kann nun ein Schulgarten leisten?

Die Arbeit im Schulgarten hat das übergeordnete Ziel, eine elementare Bildung und damit grundlegendes Wissen für die Zukunft bei den Schülern anzubahnen. Auch wir haben uns die Umsetzung dieser Aufgabe zum Ziel gesteckt. So sollen künftig vielfältige affektive, kognitive und psychomotorische sowie soziale Lernziele durch die Arbeit im Schulgarten erreicht werden. Auf diese Weise bietet der Schulgarten als Lernort und Lerninhalt die Möglichkeit, eine Vielzahl der allgemeinen Zielsetzungen unserer Schule umzusetzen und zu realisieren.
Wir sind darauf bedacht, durch die Arbeit im Schulgarten ein ganzheitliches Lernen und damit ein Lernen mit Kopf, Herz und Hand sowie ein fächerübergreifendendes und fächervernetzendes Lernen zu ermöglichen. Der Schulgarten soll außerdem einen Beitrag dazu leisten, die Schüler zur Umwelt- und Naturerziehung sowie Bildung zur Nachhaltigkeit zu befähigen.

Anlage des Schulgartens

Der Schulgarten der Grundschule Lathen wurde im Rahmen einer Projektwoche „Mit allen Sinnen durch Herbst, Wald und Flur“ vom 09.10. bis zum 12.10.2012 in Zusammenarbeit mit Schülern der Klassen 1 bis 4 angelegt. Auf insgesamt ca. 160 m² finden neben Kleinbiotopen, als extensive Bereiche, auch Bereiche zum Anbau, und damit zur intensiven Bewirtschaftung ihren Platz. Die so aufgebaute und zukünftig genutzte Anlage entspricht damit den Vorgaben eines Ökologischen Schulgartens.
Das eingezäunte Areal befindet sich zentral zwischen dem Hauptgebäude unserer Schule und dem Gebäude der Grundschule für die Klassen eins und zwei und grenzt so an den Pausenhof der Schule.
Im Rahmen der Projektwoche konnten bereits zentrale Elemente des Schulgartens errichtet werden.
Im Zentrum unseres Schulgartens (vgl. Anhang „Plan des Schulgartens“) befindet sich ein Apfelbaum. Den größten Teil des Schulgartens nehmen vier gleichgroße Jahrgangsbeete ein, die um den Apfelbaum herum angelegt wurden. Jedes der vier Beete umfasst eine Fläche von ca. 20 m² (ca. 5m x 4m). Bei Anlage der Jahrgangsbeete wurde Wert darauf gelegt, dass jedes Beet eine unterschiedliche Einfassung erhält. Neben alten Dachziegeln, Pflaster- und Randsteinen wurden auch Feldsteine verwendet, um die Beete optisch voneinander zu unterscheiden.
Der Schulgarten weist außer den vier Jahrgangsbeeten zwei weitere Beete auf. Die beiden Randbeete wurden einerseits mit Stauden und Zierpflanzen (z. B. Sommerflieder, Felsenbirne, Sonnenhut) und andererseits mit Beerensträuchern (z. B. rote und schwarze Johannesbeere, Stachelbeere, Himbeere) bepflanzt. So wurde neben einer thematischen Unterscheidung der Beete (Zier- vs. Nutzpflanzen) zugleich eine Möglichkeit geschaffen, möglichst viele Pflanzenarten im Garten anzupflanzen. Dies erweist sich insbesondere mit Blick auf die Zielsetzung, die Artenkenntnis auf Seiten der Schüler zu erweitern, als besonders nützlich und hilfreich. Die Kräuterpyramide, als weiteres Element des Schulgartens, ist in diesem Zusammenhang ebenfalls sehr dienlich. Sie befindet sich auch im Randbereich des Schulgartens; ist jedoch als eigenständiges Gartenelement durch ihren aufwendigen Bau aus großen Granitsteinen direkt erkennbar. Die Kräuterpyramide wurde im Rahmen der Projektwoche bereits mit winterharten Kräutern, wie Schnittlauch, Oregano und Liebstöckel bepflanzt und soll im Laufe der Zeit mit weiteren und z. T. einjährigen Kräutern wie Petersilie, Rosmarin, Basilikum etc. bestückt werden.
Im Laufe der Projektwoche konnten bereits sämtliche Wege im Schulgarten angelegt werden. Ziel bei der Weggestaltung war es, auch hier möglichst unterschiedliche Materialien zu verwenden. Während der breite Hauptweg mit großen Steinplatten gepflastert wurde, um etwa ein ungehindertes Vorankommen mit einer Schubkarre (z. B. für den Abtransport von Gartenabfällen) zu gewährleisten, wurde die kreisförmige Fläche um den Apfelbaum herum aufwendig mit Feldsteinen ausgelegt. Die restlichen Wege zwischen den einzelnen Jahrgangsbeeten bestehen aus Rindenmulch. Für einen Schulgarten erweist sich Rindenmulch zur Wegauslegung als besonders vorteilhaft, da ein sog. Mulchweg ein Biotop für kleine Käfer, Würmer sowie sämtliche Destruenten darstellt.
Im Rahmen der Projektwoche haben die Kinder bereits eine Gartenhütte, die sich noch auf dem Schulhof befand gestrichen. Mittlerweile hat sie ihren Platz neben dem Schulgartengelände gefunden und beherbergt sämtliche Gartengeräte, sowie einen Wasseranschluss.
Zudem ist neben dem eingezäunten Bereich des Schulgartens eine große Streuobstwiese entstanden, die neben unterschiedlichen Obstbaumsorten auch eine Vielzahl an Wildblumen enthält und somit vielen Blumen, Kräutern, Gräsern, Insekten und Spinnen ein Zuhause bieten kann.

Nutzung des Schulgartens

Eines sei vorweg gesagt: In der Grundschule Lathen wird es keinen konkret vorgegebenen Themenplan für die Einbindung des Schulgartens in den Unterricht geben. Was und mit welchem Zweck etwas angebaut und gepflanzt wird, entscheiden die Lehrer und Schüler der einzelnen Jahrgänge selbst. Ein wesentlicher Schwerpunkt der Schulgartenarbeit wird, wie in der obigen Beschreibung der Anlage erwähnt, die Planung, Gestaltung und Pflege der einzelnen Jahrgangsbeete sein. Wir haben uns bewusst für Jahrgangsbeete entschieden, um zum einen eine passgenaue und lehrplanbezogene Gestaltung und Nutzung der Beete zu erzielen, aber auch, um die Verantwortung für den Schulgarten sowohl unter den Schülern als auch unter den Lehrern aufzuteilen. Auf Seiten der Schüler kann durch die Übernahme von Verantwortung eine stärkere Identifikation mit dem Garten und den dortigen Jahrgangsbeeten erreicht werden. Für die Lehrer bedeutet diese Form der Gartennutzung zugleich auch eine Art Entlastung, denn nur wenn die „Last“ des Schulgartens auf den Schultern vieler Lehrer verteilt wird, kann der Schulgarten langfristig gesichert sein.
Durch unser Konzept sind nun alle Jahrgänge dazu aufgefordert, Verantwortung für die Gestaltung zu übernehmen und den Garten thematisch in ihren eigenen Unterricht zu integrieren. Doch wie kann eine solche Planung und Einbindung in den Unterricht innerhalb der Jahrgänge erfolgen? Die Klassen- bzw. Fachlehrer der einzelnen Jahrgänge sind dazu aufgefordert, sich gemeinsam mit der Planung und Gestaltung des jeweiligen Jahrgangsbeetes rechtzeitig auseinanderzusetzen. Dabei können die Lehrer eines Jahrgangs die Planung mit Blick auf die Arbeitspläne der einzelnen Fächer selbst vornehmen, oder sie beziehen die Kinder des Jahrgangs in diese Planung mit ein.
Unser Schulgarten hat das Ziel, ein Lernort und Lerninhalt für alle Schüler zu sein. Das bedeutet, dass trotz der vorgenommenen Einteilung in Jahrgangsbeete, jeder Schüler das Recht hat, den Garten für seine individuellen Lernprozesse zu nutzen. In diesem Zusammenhang sollen insbesondere die gemeinschaftlichen Elemente des Schulgartens (z. B. Kräuterpyramide, Beerensträucher, Zierpflanzenbeet, etc.) von möglichst vielen Kindern in Anspruch genommen werden. Die Jahrgangsbeete hingegen stehen zwar für alle Kinder zu Anschauung bereit, sollten jedoch nur durch die Schüler des jeweiligen Jahrgangs bewirtschaftet und gepflegt werden. Abgesprochene Kooperationen unter den Jahrgängen wären allerdings zu jeder Zeit möglich.
Zusätzlich zur Bewirtschaftung des Schulgartens durch die Jahrgänge, gibt es eine AG, die sich um die Pflege des restlichen Schulgartens (Randbeete, Streuobstwiese, Kräuterspirale, Wege, etc.) und um die Anlage neuerer Gemeinschaftselemente kümmert.

Weiterentwicklung des Schulgartens

Kurzfristige Ziele

  • Wir wollen eine Sitzgelegenheit in unmittelbarer Nähe zum Schulgarten schaffen, um weitere Möglichkeiten anzubieten, den Garten als Lern- und Lehrort zu nutzen.
  • Wir wollen einen Plan erstellen um das Entsorgungsproblem der Gartenabfälle zu lösen.
  • Wir wollen eine verbindliche Regelung finden, die die Wasserversorgung des Gartens während der Schulzeit durch Schüler gewährleistet.

Langfristige Ziele

  • Wir streben eine stärkere Zusammenarbeit mit einzelnen Schülerfirmen unserer Schule an, so könnte z. B. die Firma Kochlöffel bei der Verwertung der Ernte helfen. Außerdem soll z. B. die Firma Buntspecht Reparaturarbeiten in unserer Gartenhütte oder an unseren Gartengeräten übernehmen, welche von Grundschülern nicht erledigt werden können.
  • Wir wollen eigene Einnahmequellen finden (Bsp. Staudenverkauf), um finanziell unabhängiger zu werden.
  • Wir wollen den Schulgarten bei Schulfesten/ Projektwochen öffnen und präsentieren.
  • Wir wollen eine verbindliche Regelung finden, die die Wasserversorgung des Gartens während der Ferienzeit gewährleistet.