Autor Dirk Reinhardt begeistert unsere Abschlussschüler

Eine besondere Deutschstunde genossen am letzten Donnerstag vor den Herbstferien die Schüler der Jahrgangsstufe 9 und 10 der Erna-de-Vries Schule Lathen. Zu Gast war der Jugendbuchautor Dirk Reinhardt. Er las aus seinen Romanen „Train Kids“ und „Edelweißpiraten“ vor.

Im Mittelpunkt des auf Reinhardts eigenen Recherchen beruhenden Jugendbuchs „Trainkids“ steht die abenteuerliche Flucht fünf Jugendlicher aus Lateinamerika, die über Mexiko in die USA zu gelangen versuchen.
Mit gespannter Aufmerksamkeit folgten die Schüler dem Autor, der zunächst von seiner 2013 absolvierten Recherche-Reise nach Mexiko und Guatemala erzählt, bevor er charakteristische Passagen aus seinem Buch vorliest. Sehr gespannt hören die Jugendlichen zu, wie der Autor die 13- bis 17-jährigen blinden Passagiere auf ihrer gefahrvollen Reise zum ersten Mal auf einen fahrenden Güterzug aufspringen lässt.
Warum die Jungen und ein Mädchen die gefährliche Reise auf sich nehmen, hat Reinhardt anfangs erläutert: Ein Teufelskreis aus Armut, Gewalt und Hoffnungslosigkeit in Guatemala, El Salvador und Honduras treibt viele Kinder und Jugendliche dazu, ihre Heimatländer zu verlassen. Man schätzt, dass ständig bis zu 100 000 Minderjährige unterwegs sind, die sich fast 3000 Kilometer durch Mexiko, durch Dschungel, Hochgebirge und Wüste, bis hin zur stark bewachten Grenze zu den USA durchschlagen.
In einem anschließenden Gespräch mit den Schülern, wollten sie zunächst vom Autor wissen, wie es ist, als Schriftsteller zu arbeiten. Sie waren besonders von den Recherchearbeiten vor Ort in Mexiko beeindruckt. Die Lesung gab den Schülern einen Einblick in das Leben der „illegalen“ Jugendlichen und stärkte die Vorfreude auf das Lesen des Buches.
Den Abschlussschülern der 10. Klassen stellte Reinhardt seinen Roman „Edelweißpiraten“ vor. Bekannt geworden ist der Autor mit seinem Roman „Edelweißpiraten“ über oppositionelle Jugendgruppen im sogenannten Dritten Reich.
Die Autorenlesung begann mit einer Präsentation zum Thema der „echten“ Edelweißpiraten, um den Schülern den realen Bezug zum Roman zu verdeutlichen, denn der Roman beruht auf wahren Begebenheiten.
Edelweißpiraten – so nannten sich Jugendgruppen, die sich vom Nationalsozialismus distanzierten und deshalb vom Hitler-Regime verfolgt wurden.
Ein 16-jähriger Junge namens Daniel ist die Hauptfigur des Romans „Edelweißpiraten“. Ein Freund seines gerade verstorbenen Großvaters überlässt ihm Tagebücher, in denen er seine Erlebnisse aus der Zeit des Nationalsozialismus dokumentiert hat: Seine Abneigung gegenüber der Nazi-Ideologie, seinen Austritt aus der Hitler-Jugend (HJ) und schließlich seine Zugehörigkeit zu den Edelweißpiraten mit einem Leben im Untergrund.
Soweit die Ausgangssituation im Roman. Wie viele Edelweißpiraten es wirklich gab, ist kaum dokumentiert. Allein in Köln befanden sich in den Akten der Geheimen Staatspolizei (Gestapo) aber mehr als 3000 Namen, die die Machthaber dieser Gruppe zuordneten. Die Gestapo fahndete nach den Jugendlichen, verhörte und folterte sie – und richtete sie auch ohne Urteil hin, teils auf der Straße und besonders qualvoll vollstreckt.
In einer anschließenden Fragerunde beantwortete der Autor auch den Schülern der 10. Klassen ihre Fragen. Kernthema dieser Runde war, wie er zum Schreiben gekommen ist. Reinhardt gab an, dass er seine Leidenschaft zum Beruf gemacht hat. Die Schüler waren sehr beeindruckt von der Lesung und freuen sich bereits auf das 2. Schulhalbjahr, in dem sie das Buch „Edelweißpiraten“ im Unterricht lesen werden. Im Anschluss an die Lesung bedankten sich die Schüler mit einem Geschenk bei Herrn Reinhardt. Dies beinhaltete das Buch unserer Namensgeberin Erna de Vries.